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Ritz Camera

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Was macht eine gute Kamera aus?
(What Makes a Great Camera?)

© 2006 KenRockwell.com

Deutsche Übersetzung: A. Beitinger

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Diesen Artikel gibt es auch auf Englisch, Russisch und Rumänisch.

EINLEITUNG

Aufgabe einer Kamera ist es, nicht im Weg zu sein. Eine gute Kamera stellt sich nicht zwischen Euch und Eure Arbeiten. Der Rest dieser Seite handelt im Detail davon, was für mich gut funktioniert.

WAS EINE GUTE KAMERA AUSMACHT

Wenn ich mir so viel Mühe gebe, zu erklären, warum die Kamera völlig egal ist, warum verbringe ich dann so viel Zeit damit, über gute und schlechte Kameras zu reden?

Ganz einfach: Bessere Kameras erleichtern es, gute Resultate schneller zu erzielen. Ich bin faul und ungeduldig. Jede Kamera kann außergewöhnliche Bilder machen. Bessere Kameras tun dies leichter, schneller und angenehmer.

Gute Kameras stellen sich Euch nicht in den Weg. Gute Kameras sind eine Erweiterung Eurer Phantasie.

Schlechte Kameras behindern. Sie stellen sich zwischen Euch und Euer Foto.

Bedienbarkeit

Gute Kameras verfügen über alle nötigen Einstellmöglichkeiten, und sie machen diese Einstellungen schnell und einfach bedienbar.

Schlechten Kameras fehlen benötigte Einstellungen, oder sie verstecken diese in den Menüs.

Gute Kameras wurden von Leuten entworfen, die Ahnung von Fotografie haben. Sie wissen, welche Einstellungen wichtig sind. Sie wissen, wie und wann diese Features und Einstellmöglichkeiten benutzt werden. Sie machen diese Features leicht zugänglich, und sie bauen neue Features ein, um bekannte Probleme zu lösen.

Gute Kameras haben für jede wichtige Einstellung eine separate Teste. Schlechte Kameras erfordern mehrere Tastendrucke, geben Tasten mehrere Funktionen oder erfordern, daß man die Funktion zuerst über ein Einstellrad vorwählt. Noch schlechtere Kameras verstecken diese Einstellungen in Menüs. Ganz nutzlosen Kameras fehlen sogar einige Einstellmöglichkeiten.

Schlechte Kameras wurden von Gremien, Elektronikkonzernen und Leuten entworfen, die mit ernsthafter Fotografie nicht vertraut sind. Die lesen vielleicht Bücher oder kopieren andere Kameras, um zu wissen, welche Ausstattung sie einbauen sollen, aber sie verstehen nicht genug davon, um die Features richtig zu gewichten. Sie vergessen vielleicht wichtige Sachen, wie eine Weißabgleichs-Stellung für Schatten. Wenn sie nicht begreifen, was wichtig ist, begehen sie vielleicht Dummheiten wie das Verstecken des Weißabgleichs in einem Menü zwischen Dateinumerierung und Spracheinstellungen.

Dateinumerierung und Spracheinstellung werden einmalig eingestellt. Die gehören in ein Menü.

Profis setzen Einstellungen wie Belichtung, ISO und Weißabgleich immer neu, sobald sich das Licht oder die Szenerie ändert. Das kann vor jeder Aufnahme sein! Ich stelle z. B. für geplante Aufnahmen eine hohe Bildqualität ein, aber eine geringe Qualität für rein dokumentarische Bilder wie z. B. ein Schild, das einen Ort beschreibt.

Weder die Natur noch andere Objekte warten darauf, bis der Fotograf sich durch mies gebaute Bedienelemente gefummelt hat. Ich könnte das perfekte Licht verpassen, das vielleicht 60 Sekunden dauert, nachdem ich wochenlang darauf gewartet habe. Diese Aufnahme zu verpassen, wäre katastrophal. Das ist schlechte Bildqualität. Im Labor gemessene Rausch- oder Auflösungswerte haben nichts damit zu tun, die Aufnahme in den Kasten zu kriegen, und sie haben auch nichts mit wahrer Bildqualität zu tun.

Eine gute Kamera steht mir nicht im Weg. Ich muß nicht mein Auge vom Sucher nehmen, um Einstellungen zu tätigen. In den 1970ern waren Kameras noch manuell. Die guten hatten Anzeigen für Belichtungsabgleich, Blende und Verschlußzeit im Sucher, so daß wir nicht das Auge vom Sucher nehmen mußten, um Einstellungen vorzunehmen. Die besten Kameras von heute haben aus diesem Grund auch Anzeigen für ISO und Belichtungskorrektur in ihren Suchern.

An meiner D200 kann ich Klicks zählen und den Weißabgleich fein einstellen, ohne mein Auge vom Sucher zu nehmen. Hoffentlich hat meine nächste Kamera dafür eine Anzeige im Sucher.

Ein Fotograf sollte in der Lage sein, Einstellungen nach Gefühl zu machen. Fotojournalisten mit ihren manuellen Kameras taten dies immer. Wenn sie von der Sonne in den Schatten schwenkten, gaben sie nach Gefühl zwei Blendenstufen zu. Ein Fotograf sollte nicht darauf angewiesen sein, in ein Menü oder auf eine Anzeige außerhalb des Suchers zu schauen, um Einstellungen vorzunehmen.

Der Look

Jede Digitalkamera, genau wie jedes Filmmaterial, hat einen eigenen Look. Die Einstellungen der Kamera lassen auch die Wahl zwischen vielen alternativen Bildeinstellungen.

Manche Kameras bieten eine weite Auswahl von Einstellmöglichkeiten für das gewünschte Ergebnis, andere bieten das nicht. Ich benutze meist die extremsten Einstellungen für die Farbsättigung.

Gute Kameras machen es einem einfach, den eigenen Look zu finden, während schlechte Kameras es fast unmöglich machen.

Ich staune, wie wenige davon Notiz nehmen. Eine Testvorlage abfotografieren und die Auflösung ablesen kann jeder Depp. Viele tun es.

Nur wenige Leute fotografieren und schauen sich dann die Ergebnisse an. Es ist erstaunlich, daß noch niemand anders festgestellt hat, wieviel wärmer die D200 gegenüber früheren Nikons wie der D70 abgestimmt ist.

Ich brauchte einen 81A-Warmtonfilter und eine Korrektur von -3 am Weißabgleich meiner D70, um denselben warmen Look zu erhalten, den ich mit meiner D200 in Normalstellung ohne Filter bekomme. Das ist sehr wichtig, und jeder sollte darauf achten.

Kameratests können den Bildeindruck nicht messen, denn jeder von uns will etwas Anderes.

Jeder muß zuerst mit einer Kamera oder einem Filmmaterial fotografieren und schauen, ob es so aussieht wie gewünscht.

Ich bevorzuge Fuji Velvia 50 Diafilm und ich bevorzuge meine D200 mit +Sättigung und Farbmodus IIIa. Euch gefällt wahrscheinlich was Anderes.

Manche Kameras können Euren Look produzieren, andere nicht. Nur Eure Augen können das beurteilen.

Das System

Die meisten Fotografen brauchen mehr als nur ein Gehäuse und ein Objektiv. Ich jedenfalls.

Als ich 1973 begann, kaufte ich einmalig eine Kamera und ein Objektiv im Set, da ich bei Null anfing.

Heute umfaßt mein System Teile verschiedenster Baujahre. Alles paßt irgendwie zusammen.

Ich kam 1980 zu Nikon, und alle Objektive, die ich damals kaufte, funktionieren noch heute bestens an meiner D200. Ich nutze sie immer noch, wie z. B. mein 25 Jahre altes 55mm Micro, das ich für diese Rausch- und Auflösungstests benutzt habe. Tatsächlich funktionieren diese Objektive an meiner D200 besser als an der F2AS aus ihrer eigenen Ära!

Ein kleineres System wie das von Minolta, mit dem ich angefangen hatte, wäre mittlerweile vom Markt verschwunden (das passierte ja wirklich) und hätte mich gezwungen, alles neu zu kaufen. Kleinere Systeme sind lückenhaft - manche Objektive gibt es in diesen Systemen einfach nicht.

Canon und Nikon haben große Systeme. Jedes Teil paßt an jedes andere aus fast jedem Herstellungsjahr. Wer tiefer einsteigt, wird Teile hinzukaufen. Man muß nie ein ganzes System austauschen, jedenfalls nicht bei Nikon. Canon ließ wegen des Autofokus 1985 alle von vorn anfangen, aber Nikons Kameras und Objektive sind komplett rückwärtskompatibel bis 1959 - mit wenigen Einschränkungen. Dasselbe gilt für Hasselblad; der Großteil von deren System ist seit 50 Jahren kompatibel geblieben.

Das ist der Grund, warum Profis diese Systeme benutzen. Es geht um langfristige Rentabilität.

Wer vielleicht eines Tages exotische Objektive oder spezielles Zubehör kaufen möchte, braucht heute eine Kamera, die ihn morgen wachsen läßt.

Ich sehe keinen Grund, warum man darauf spekulieren sollte, daß die Marke, die man heute wählt, zu einem größeren System heranwächst. Canon und Nikon haben schon große Systeme.

Vielleicht werden andere Marken künftig wachsen, oder vielleicht geben sie den Kamerasektor auf, wenn dieser ein unprofitables Marktsegment wird. Contax und Minolta haben schon aufgegeben. Wer weiß schon, was auf Sony, Samsung, Pentax und die anderen wartet. Sogar Nikon hat die meisten analogen Kameras 2006 aus dem Programm genommen, aber natürlich nur deshalb, weil schon genügend gebrauchte Analoggeräte im Umlauf sind, um bis zum Lebensende zu reichen. Falls nicht, baut Nikon immer noch die F6 und verkauft die FM10.

Ein Kompliment muß ich Olympus aussprechen. Die haben ihr Versprechen gehalten und eine Vielzahl an Objektiven für ihr E1-System geschaffen.

Eine Anekdote aus Hollywood

Ich half bei Testaufnahmen für 250.000-$-HDTV-Kameras in einem der Studios. Alle großen Hersteller wie Sony, Philips, Thompson etc. nahmen mit ihren neuesten Studio-HDTV-Kameras teil. Die Ingenieure bastelten daran herum und bauten alle möglichen verrückten Testszenarien auf, z. B. Modelleisenbahnen und Auflösungs-Testvorlagen. Ich brachte das Test-Equipment mit, das der Typ benutzen sollte, der die Entscheidung zu fällen hatte.

Wir schmunzelten beide über diesen "measurbation"-Zirkus. Ihm war völlig egal, wie die Kameras auflösten oder wie sie die Bewegung von drehenden Testvorlagen verarbeiteten. Wir wußten beide, daß die Testergebnisse denkbar knapp ausfallen würden, da jede Kamera an der Spitze der augenblicklichen Entwicklung stand.

Sein hauptsächliches Augenmerk galt der Frage, ob jede dieser Kameras alle Einstellmöglichkeiten bot, die die Kameraleute brauchten, und wie schnell und einfach diese Einstellungen vorgenommen werden konnten.

Der Grund dafür ist, daß die Kameraleute alle wußten, welche Bildabstimmung sie erzielen wollten, und es daher wichtig war, daß die Kameras die Einstellungen ermöglichten, die zu diesem Look führen. Die richtigen Einstellmöglichkeiten müssen vorhanden sein, und sie müssen sowohl einfach zu bedienen sein, als auch genügend Einstellbereich und Genauigkeit bieten.

Es ist schon erstaunlich, wie manche 250.000-$-Kameras im Test durchfielen, weil sie wichtige Einstellungen versteckten oder gar nicht hatten. So ist auch zu verstehen, warum dieselben Unternehmen mit ihren 2.500-$-Kameras durchfallen.

Geschwindigkeit

Eine gute Kamera reagiert sofort.

Eine schlechte Kamera läßt einen warten. Mit ihr verpaßt man Aufnahmen und verärgert die Objekte. Sie steht einem im Weg.

Zum Glück arbeiten alle DSLRs gut, und die meisten Kompaktkameras entwickeln sich in diese Richtung.

Wenn man in Menüs arbeitet, sollte man eine unmittelbare Rückmeldung haben. Es ist schlecht, wenn man warten muß, bis die Menüs nachkommen. Ich arbeite schnell! Casio-Kompaktkameras funktionieren bestens, wobei ich meist schneller arbeiten kann, als die Menüs von Canon-Kompakten reagieren.

Datenübertragung

Moderne Kameras brauchen wenigstens eine USB-2.0-Schnittstelle mit 480 MBit/sec. Auf diese Weise saugt man 500 MB an Bildern in 90 Sekunden in den Mac. Langsamere USB-1.1-Schnittstellen, die auch "Hi-Speed" genannt werden, lassen einen auf die Übertragung von ein paar Fotos ewig warten.

Auch 2006 werden immer noch viele Kameras mit langsamer Datenübertragung verkauft, wie die Casio EX-Z1000 und die Canon 20D.

Größe und Gewicht

Je kleiner und leichter, desto besser.

Mein riesiges Objektiv 400mm f/2.8 wird praktisch nie benutzt. Es wiegt 7 kg! Es ist zu groß, um es gern zu benutzen, wenn doch meine Zooms viel weniger wiegen.

Meine Casio Kompaktkamera habe ich immer dabei.

Unbedingt nötige Einstellmöglichkeiten

Ich wünschte, alle Kameras würden ordentlich funktionieren. Hier kommt ein Wegweiser für den Kamerakauf, von dem ich auch hoffe, daß Hersteller aus dem Nicht-Foto-Bereich, die nun in den SLR-Markt vordringen, ihm Beachtung schenken.

Idealerweise gibt es für jede Einstellung einen eigenen Knopf, wobei die Information im Sucher wiedergegeben wird.

Fast genauso gut ist ein eigener Knopf in Verbindung mit einem Einstellrad.

Inakzeptabel ist ein Knopf, der zuerst gedreht werden muß, um auszuwählen, welche Funktion damit eingestellt wird.

Menüeinstellungen sind inakzeptabel, wenn sie die einzige Zugriffsmöglichkeit auf diese Funktionen sind.

Analoge und digitale Kameras:

Belichtungsmodus (P, S, A, M)

Belichtungszeit

Blende

Zoom. Die Brennweitenverstellung muß direkt und mechanisch sein, nicht motorisiert und tastengesteuert.

Autofokus-Modus (Continuous oder Single) und on/off (auto/manual).

Autofokus Meßfeld-Wahl und -Modus (alle, einzeln, dynamisch etc.)

Zusätzlich für Digitalkameras:

ISO

Weißabgleich
   Dazu gehört
 unmittelbarer Zugriff auf Festwerte für direktes Sonnenlicht, Bewölkung, Schatten, Kunstlicht und manuelle Einstellung nach Weißkarte.
   Dazu gehört unmittelbarer Zugriff auf die Feinabstimmung (+/-). Diese Einstellungen sind wichtig, um genau den richtigen Look zu bekommen. Man kann ohne Feineinstellung auskommen, wenn man den Weißabgleich unmittelbar in Grad Kelvin einstellen kann.

Dateiformat (JPEG, RAW, TIFF etc.)

Bildgröße (Large, Small, etc.)

Wiedergabe
   Dazu gehört auch Sofortzugriff auf Zoom, Scrollen und Sprung zum nächsten/vorigen Bild.
   Wenn der Auslöser angetippt wird, muß die Kamera automatisch zum Aufnahmemodus zurückkehren.

Bild löschen

Speicherkarte formatieren

Wichtige Einstellmöglichkeiten

Eine gute Digitalkamera sollte auch unmittelbaren Zugriff auf folgende Funktionen haben:

Weißabgleich Einstellung in Grad Kelvin. Dies ist ein direkterer und universellerer Weg, die Wärme (orange) oder Kühle (blau) eines Bildes festzulegen.

Weißabgleich-Festwerte für verschiedene Arten von Leuchtstoffröhren. Leuchtstoffröhren sind verschieden, weshalb man oft mit längeren Zeiten arbeiten und Weißabgleich auf Weißkarte machen muß, um zu ordentlichen Ergebnissen zu kommen. Insofern ist diese Einstellung verzichtbar.

Einstellungen, die ich nicht benutze - andere aber schon

Belichtungs-Meßmethode (Spot, mittenbetont etc., ich benutze immer Matrixmessung)

Belichtungsreihen (mache ich nie)

Stattdessen benutze ich den Belichtungsspeicher und/oder die Belichtungskorrektur, um zur korrekten Belichtung zu kommen.

EMPFEHLUNGEN

Nur wenige Kameras erfüllen alle diese Anforderungen. Ich wünschte, es wären mehr.

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Thanks for reading!

Ken

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