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Deine Kamera
spielt keine Rolle
(Your Camera Doesn't Matter)

© 2009 Ken Rockwell

Deutsche Übersetzung: A. Beitinger 2010

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September 2010     Nikon Reviews   Canon   LEICA   Pentax

 

Schaut Euch diese Beispiele an: eine $150-Kamera gegen eine $5000-Kamera. Schaut, welche tollen Bilder man mit einer veralteten Canon A620 für ehemals $200 machen kann und was ich 2001 aufgenommen habe mit meiner ersten, miesen Disketten-Kamera Sony FD-88. Schaut, was ich 2008 mit einer Pocketkamera fotografiert habe, oder 2003 mit einer der billigsten Canon-Knipsen aller Zeiten.

 

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Chase Jarvis Betrachtet den Bildband des berühmten Profifotografen Chase Jarvis, The Best Camera, der komplett mit seinem iPhone aufgenommen wurde. Siehe The online eork shot exclusively on his iPhone.

Wer gut fotografiert, brauch lediglich eine Wegwerfkamera, eine Spielzeugkamera oder eine Handy-Kamera, um großartige Werke zu erschaffen. Wer kein Talent hat, dem hilft auch nicht der Kauf einer Nikon D3X oder Leica; seine Arbeit bleibt trotzdem einfallslos.

Es ist immer besser, Zeit und Geld in künstlerische und fotografische Weiterbildung zu investieren statt in weitere Kameras.

Woher kommt es, dass nach über 60 Jahren Weiterentwicklung von Kameras, Objektivschärfe, Filmkorn, Auflösung und Dynamik noch keiner mit dem gleichziehen konnte, was Ansel Adams schon in den 1940ern hingekriegt hat?

Ansel hatte noch nicht mal Photoshop. Wie hat er das nur gemacht? Die meisten Nachahmer erreichen ihn nicht. Manche sind gut, aber anders (wie Jack Dykinga), aber keiner ist gleich.

Sag einem Amerikaner, er könne etwas nicht, dann macht er es erst recht: Man Uses Barbie Fishing Rod for Record Catch!

Es gibt Fotografen, die übers Internet die exakten Koordinaten von Jacks oder Ansels Fotoplätzen rausgefunden haben, mit tollem Equipment bepackt und dem Originalbild in der Hand dorthin gehen und sich an einer exakten Kopie versuchen (was übrigens nach US-Copyrightgesetzen illegal und zudem unanständig ist). Sie kriegen etwas hin, was vielleicht ähnlich aussieht, aber die emotionale Wirkung des Originals, das sie kopieren wollten, völlig verfehlt. Woher kommt das?

Das ist kein Witz. Einige dieser Hohlköpfe ließen sogar von Astronomen den einen Zeitpunkt in fast zwei Jahrzehnten errechnen, wo die Bedingungen passen würden, und wo sie dann 300 Mitstreiter an jenem exakten Ort um sich versammelten. Trotzdem passten weder die Wolken noch der Schnee noch die Schatten. Ansel oder jeder andere Kreative würde erschaudern. Natürlich bekamen sie nichts so hin, wie sie geplant hatten; Kunst ist so viel mehr.

Großartige Fotos entstehen durch eigene Einfälle, nicht durch Nachahmung.

Jemand fragte: "Wenn ich eine Kamera mit nur 6 oder 7 MP habe, kann ich damit gute Bilder machen?"

Das erinnert mich an den Mann, der sich das Handgelenk bricht und den Arzt fragt: "Herr Doktor, kann ich, wenn der Bruch geheilt ist, mit dieser Hand Klavier spielen?" Der Arzt antwortet: "Natürlich, kein Problem." Der Mann lacht und meint, das sei toll, denn er habe bisher nie Klavier spielen können.

Ein Bösendorfer zu kaufen bedeutet noch lange nicht, das Klavierspiel zu beherrschen. Eine spitzenmäßige Kamera zu kaufen bedeutet noch lange nicht, spitzenmäßige Fotos machen zu können. Gute Pianisten können auf jedem Klavier spielen, und ein guter Fotograf macht auch großartige Bilder mit einer Wegwerfkamera.

Wie wir alle in Blues Brothers gesehen haben, muss man Brother Ray nur ein Keyboard geben, und er spielt so mitreißend, dass die ganze Stadt aufsteht und tanzt.

Fotos werden nicht von Kameras gemacht, sondern von Fotografen. Kameras sind nur ein künstlerisches Werkzeug.

Jedermann weiß, dass Photoshop genutzt werden kann, um aus jedem schlechten Bild ein Meisterwerk zu machen. Wie kann es dann sein, dass Bilder oft nach stundenlanger Bearbeitung schlimmer aussehen als vorher?

Vielleicht deshalb, weil ein Bild ganz vom Auge des Künstlers, seiner Geduld und seiner Fähigkeit geschaffen wird und nicht von seinen Werkzeugen. Sogar Ansel sagte: "Der wichtigste Teil der Kamera sind die 30 Zentimer dahinter."

Eine Kamera fängt Deine Phantasie ein. Keine Phantasie, kein Bild - nur Müll. Das englische Wort "image" (Bild) kommt von "imagination" (Phantasie, Vorstellungskraft). Es kommt nicht von "Objektivschärfe" oder von "Rauschen". David LaChapelles Arbeit dreht sich völlig um seine Phantasie, nicht um seine Kamera. Das Aufwendige daran ist, diese verrückten Motive zusammenzustellen. Wenn sie erst fertig aufgebaut sind, könnte man sie mit jeder beliebigen Kamera aufnehmen. Gebt mir LaChapelles Kamera und ich werde nichts von dem hinkriegen was er macht, selbst wenn ich dieselben Stars als Darsteller zur Verfügung habe.

Ich habe nur deshalb ein Bild mit einem riesigen Objektiv auf meiner Homepage, damit ich nicht dazuschreiben muss "Fotograf" oder "Fotografie". Das Objektiv sagt es deutlicher als jedes Wort. Genau darum geht es bei der visuellen Kommunikation: lang darüber nachzudenken, wie man seine Sache kurz und klar darlegen kann. Tatsächlich habe ich dieses große Objektiv schon seit Jahren nicht mehr benutzt.

Praktisch mit jeder beliebigen Kamera, egal wie gut oder schlecht sie ist, kann man außergewöhliche Fotografien für Zeitschriftentitel erstellen, Fotowettbewerbe gewinnen oder in Kunstgalerien ausgestellt werden. Die Qualität eines Objektivs oder einer Kamera hat kaum etwas zu tun mit der Qualität der Bilder, die damit aufgenommen werden können.

Die limitierte Auflage von Joe Holmes' Bildern seiner Serie "American Museum of Natural History" in 33 x 48 cm Größe werden in Manhatten von der Jen Bekman Gallery zum Stückpreis von $650 verkauft. Gemacht wurden sie mit einer D70.

Kirsten Gallon, Berufsfotografin aus San Diego, verdient ihren Lebensunterhalt mit den beiden billigsten Objektiven von Nikon: dem 18-55 und dem 70-300 G.

Es gibt eine Menge Ausstellungen, wo Aufnahmen aus Holgas für noch sehr viel mehr Geld verkauft werden, nur wird darüber nicht gesprochen. Eine Holga kann man hier nagelneu für $14.95 kaufen. In der Hemicycle Gallery des Corcoran Museum of Art in Washington D. C. hängt ein preisgekröntes Bild, das mit einer Holga aufgenommen wurde. Es entstammt der Eyes of History competition 2006 der White House News Photographers Association und ist hier zu sehen.

Walker Evans sagte einmal: "Die Leute fragen mich immer, welche Kamera ich benutze. Aber es geht gar nicht um die Kamera, es geht um das hier..." und er tippte mit dem Zeigefinger an seine Stirn.

Der heilige Josef baute 1873 eine meisterliche Holztreppe in eine Kirche in New Mexico. Fragt da irgendjemand, welches Werkzeug er benutzt hat? Man kann suchen, wo man will: Es gibt dazu jede Menge wissenschaftlichen Diskurs, aber der dreht sich nie ums Werkzeug.

Dein Equipment hat KEINEN Einfluss auf die Qualität Deiner Bilder. Je weniger Zeit man mit Überlegungen zum Equipment vergeudet, umso mehr Zeit und Mühe kann man ins Erschaffen toller Bilder investieren. Das richtige Equipment macht es nur leichter, schneller oder bequemer, die gewünschten Ergebnisse zu bekommen.

"Jedes gute, moderne Objektiv ist bereits für höchste Auflösung bei großen Blenden optimiert. Kleinere Blenden erhöhen lediglich die Schärfentiefe..." Dies schrieb Ansel Adams am 03. Juni 1937 an Edward Weston auf seine Frage nach Objektiv-Empfehlungen (Seite 244 in Ansels Autobiographie). Ansel schuf vor siebzig Jahren perfekt scharfe Bilder, ohne darüber nachzudenken, wie scharf seine Objektive seien. Wenn wir uns auf das Fotografieren schöner Motive konzentrieren wollen und nicht auf das Abfotografieren von Testpostern, sind wir heute, nach siebzig Jahren Weiterentwicklung, noch viel besser dran.
Natürlich waren die damaligen Großformat-Objektive eher lichtschwach, meist so um Blende 5,6. Heutige Objektive für kleinere Filmformate und Digitalkameras sind am besten, wenn man sie um zwei Stufen abblendet.

Neues Zeug zu kaufen verbessert NICHT Deine Fotografie. Jahrzehntelang dachte ich, wenn ich nur "dieses neue Objektiv" hätte, wären alle meine Fotobedürfnisse befriedigt. Waren sie aber nicht. Ich will immer noch "dieses eine Objektiv", und dabei fotografiere ich schon seit über 30 Jahren. Es gibt immer wieder ein solches Objektiv. Damit muss man sich abfinden. "The Station" von Robert J. Hastings (1999 veröffentlicht in "Dear Abby") erklärt die Sache noch besser.

Die einzige Aufgabe einer Kamera ist es, beim Fotografieren nicht hinderlich zu sein.

Ernst Haas sprach darüber 1985 in einem Workshop:

Zwei Jungs aus Nova Scotia hatten viel Aufwand getrieben, um dabei sein zu können. Sie waren große Leica-Fans, arbeiteten in einem Fotogeschäft, hatten lange auf ihre Leicas gespart und fanden sehr wichtig, dass Ernst ebenfalls Leica-Nutzer war (obwohl er für seine Marlboro-Fotos, als es wirklich darauf ankam, Nikon benutzte).
Etwa am vierten Tag des Workshops ging er endlich auf die Leica-Verehrung ein, die diese Knaben an den Tag legten. Mitten in einer Besprechung, als wieder einer der beiden eine Frage stellte mit dem Ziel, die Überlegenheit Wetzlarer Optik hervorzuheben, sagte Ernst: "Leica, schmeica. Die Kamera spielt nicht die geringste Rolle. Jede kann das aufzeichnen, was Du siehst. Aber erst mal musst Du SEHEN."

Während des restlichen Workshops sprach niemand mehr über Leica, Nikon, Canon oder sonst eine Kameramarke.
 
Er sagte auch: "Das beste Weitwinkelobjektiv? Zwei Schritte zurückgehen und nach dem Aha-Effekt suchen."

(Diese Haas-Anekdote stammt von Murad Saÿen, dem berühmten Fotografen aus Oxford/Maine, von dem die Leute so begeistert sind. Viele sagen, er sei aus dem Hinterholz aufgetaucht als eine Mischung aus Eliot Porter und Henri Cartier Bresson.)

Ich fand hier und hier mindesens drei Internetseiten, die behaupten, Haas' offizielle Seite zu sein.)

Hier findet sich Weltklasse-Fotografie von einem Mann, der hier genau dasselbe sagt. Hier gibt es weitere Informationen, die bestätigen, dass der Besitz von mehr Objektiven nur zu schlechteren Fotos führt. Die Schwarzweißfotos hier habe ich mit einer 50 Jahre alten Box-Kamera für $3 gemacht, die einfacher aufgebaut ist als heutige Einweg-Kameras.

Andreas Feininger (Franzose, 1905-1999), meinte: "Fotografen-Deppen, von denen es allzu viele gibt, sagen: 'Wenn ich doch nur eine Nikon oder Leica hätte, dann könnte ich tolle Fotos machen.' Das ist das Blödeste, was ich je gehört habe. Es geht ausschließlich um das Sehen, das Denken und das Interesse. Das ist es, was eine gute Fotografie ausmacht. Und dann muss man alles meiden, was schlecht für das Bild wäre: das falsche Licht, den falschen Hintergrund, die falsche Zeit usw. Sonst sollte man das Bild erst gar nicht machen, egal wie schön das Motiv ist."

Jeder weiß, dass Autos nicht von selber fahren, Schreibmaschinen nicht von selber Romane schreiben und Rembrandts Pinsel nicht von selber gemalt haben. Warum glauben dann intelligente Menschen, Kameras bildeten eine Ausnahme und machten Fotos ganz von allein? Selbst das ausgereifteste, exklusivste und teuerste Auto kann nicht auf der Autobahn von selber die Spur halten - oder Dich gar selbstständig nach Hause fahren. Egal, wie ausgereift Deine Kamera ist: Du bist immer noch selbst dafür verantwortlich, sie zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen und in die richtige Richtung zu halten, um das gewünschte Foto zu bekommen. An jeder Kamera muss man ab und zu etwas manuell einstellen, egal wie ausgeklügelt sie ist. Man sollte nie der Kamera die Schuld geben, wenn man nicht alles weiß, falsch belichtet oder verwackelt.

Ein guter Fahrer kann selbst in einem lausigen Auto wie einem Geo Metro am helllichten Tag der Verfolgung durch zahlreiche Polizeiautos entkommen. Entscheidend ist der Fahrer und nicht das Auto. Hier kann man darüber lesen.

Ich habe das für mich folgendermaßen entdeckt:

Wenn es um Fertigkeiten geht, egal ob Musik, Fotografie, Surfen oder sonstiges, muss man einen Berg überwinden. So ungefähr in den ersten 20 Jahren, in denen man sich mit jeglicher Form von Kunst beschäftigt, ist man sich sicher, erst mit einem besseren Instrument, einer besseren Kamera oder einem besseren Surfboard genauso gut wie die Profis werden zu können. Man vergeudet eine Menge Zeit mit Überlegungen zum Equipment und versucht ständig, sich etwas Besseres leisten zu können. Nach diesen 20 Jahren wird man dann endlich so gut wie die weltberühmten Künstler. Eines Tages taucht jemand auf und fragt um Rat, und plötzlich hat man eine Eingebung und kapiert, dass es nie was mit dem Equipment zu tun hatte.

Endlich versteht man, dass das ganze Zeug, das man mit so viel Zeitaufwand angesammelt hat, es lediglich leichter macht, den Klang oder den Bildeindruck oder die Bewegungen hinzukriegen. Aber man könnte dasselbe Ergebnis, vielleicht mit etwas mehr Aufwand, auch mit dem windigen Stück Equipment hinkriegen, mit dem man einst angefangen hat. Man kapiert, dass der Hauptzweck der Ausrüstung darin besteht, nicht hinderlich zu sein. Außerdem kapiert man, dass man wesentlich schneller zum Ziel gekommen wäre, wenn man seine Zeit nicht mit Gedanken an die Ausrüstung sondern mit dem Üben des Instruments, dem Fotografieren oder dem Wellenreiten verbracht hätte.

Im Dezember 2003 traf ich Phil Collins bei einer Vorführung. Es stellte sich heraus, dass sein Sound einen hohen Wiedererkennungseffekt hat. Als er kurz den Raum verließ, nutzten einige Leute die Gelegenheit, auf seinem Schlagzeug zu spielen. Was war wohl das Ergebnis? Es klang nicht so wie bei ihm. Andererseits klingt Phil selbst auf einem Miet-Schlagzeug immer noch wie Phil. Wer wird da noch glauben, es sei das Schlagzeug, das den Sound macht?

Ein Fan aus Michigan ist Instrukteur für Autorennen an einer großen Rennstrecke. Die Tochter eines seiner Schüler wollte auch etwas lernen. Sie kam in einem gemieteten Chevy Cavalier zur Rennstrecke und besiegte alle anderen Schüler - lauter Herren mittleren Alters mit lichtem Haar, die eine Corvette oder einen 911er Porsche fuhren. Warum? Ganz einfach: Sie hörte auf den Instrukteur und fuhr geschmeidig auf der Ideallinie. Sie versuchte nicht, fehlende Geduld und Fertigkeit mit jeder Menge Pferdestärken auszugleichen. Die Männer waren richtig stinkig, weil ein Mädchen sie besiegt hatte, und noch dazu ein sechzehnjähriges.

Ein professioneller Rennfahrer, der jedes Fitzelchen Leistung aus einem Auto herauszukitzeln vermag, wird natürlich von der Leistung des Autos eingeschränkt. Aber für die meisten Leute spielen das Auto, die Kamera oder die Turnschuhe wenig bis gar keine Rolle für die erzielbare Leistung, weil nicht ihre Werzkeuge, sondern sie selbst der limitierende Faktor sind.

Jeder Virtuose, der sein Instrument perfekt beherrscht, würde diesen Sachverhalt bestätigen - allerdings nur, wenn man ihn vorher von seinem Sponsor trennt.

Aber warum benutzen die meisten Künstler, deren Werk man bewundert, ausgefeilte und teure Werkzeuge, wenn es doch für die Qualität ihrer Arbeit keinen Unterschied macht? Ganz einfach:

1) Gute Werkzeuge legen dem Benutzer keine Steine in den Weg und machen es ihm leichter, die gewünschten Resultate zu erhalten. Mit schlechten Werkzeugen müsste er sich mehr anstrengen.
2) Gute Werkzeuge besitzen die nötige Haltbarkeit, um Tag für Tag im harten Einsatz zu bestehen.
3) Fortgeschrittene Benutzer schätzen die Bequemlichkeit, die sich aus manchen kleinen Zusatzausstattungen ergibt. Derartiger Komfort macht das Leben des Fotografen leichter, aber sie macht nicht die Fotos besser.
4) Eigentlich spricht ja überhaupt nichts gegen die Benutzung bester Werkzeuge. Wenn jemand das Geld rauswerfen kann, nur zu. Man darf nur nicht anfangen zu glauben, es seien die feinen Werkzeuge, die die künstlerische Arbeit ausmachen.

Also warum zeige ich Schnappschüsse von mir mit einem großen Objektiv auf meinen Internetseiten? Ganz einfach: So brauche ich nicht schreiben "Ken Rockwell Fotografie", was dämlich klingt und mehr Platz bräuchte. Eine große Kamera verbreitet die Kernaussage viel besser und schneller, weshalb ich dann nur schreiben muss "Ken Rockwell".

Hier gibt es Fotos, die ein Mann auf den Philippinen mit einer Handy-Kamera gemacht hat.

Noch ein letztes Beispiel: Ich kaufte einst eine gebrauchte Kamera, die nicht ordentlich fokussierte. Ich brachte sie mehrmals zur Reparatur zurück zum Händler, und jedsmal bekam ich sie unverändert zurück. Als Profi wusste ich zwar, wie ich die Abweichung korrigieren konnte, aber das war sehr umständlich, weil ich jedes Mal die Fokussierung um den entsprechenden Wert verschieben musste. Trotzdem gelang mir während des Testens dieser Kamera eines meiner Lieblingsbilder aller Zeiten: Das Bild hier gewann alle möglichen Preise und hing sogar in einer Galerie in Los Angeles an einem Platz, an dem zuvor ein Original von Ansel Adams hing. Als später mein Bild abgenommen wurde, kam dorthin wieder das von Ansel. Und um das nochmal zu betonen: Dieses Bild wurde mit einer Kamera gemacht, die letztlich als irreparabel eingestuft und vom Händler zurückgenommen wurde.

Das Entscheidende an diesem Bild war, dass ich weiter abgewartet hatte, nachdem alle meine Freunde längst zum Abendessen gegangen waren. Ich vermutete nämlich, dass es zu einem besonderen Naturphänomen kommen würde: dem purpurfarbenen Himmel, genau wie man ihn jetzt auf dem Foto sieht. Ich belichtete 4 Minuten lang mit einem normalen Objektiv. Ich hätte ebenso gut die Box-Kamera für $3 nehmen können, mit denen ich die Schwarzweißbilder hier gemacht habe, und das Foto hätte genauso ausgesehen.

Gelegentlich bekomme ich Hass-Briefe und -Anrufe von Männern (nie von Frauen), die mit der Wahl meiner Werkzeuge nicht einverstanden sind. Sie nehmen es persönlich, wenn ich etwas Anderes als sie bevorzuge. Wen juckt das? Diese Leute haben bestimmt ehrliche Absichten, aber wahrscheinlich haben sie den Berg noch nicht überwunden und meinen immer noch, jedes Werkzeug habe absolute Qualitäten, egal für welchen Zweck es eingesetzt wird. Sie sehen Werkzeuge als Verlängerung ihres Körpers; natürlich wird es dann für sie persönlich, wenn ich mich über ein bestimmtes Werkzeug lustig mache, das für meine Zwecke nicht geeignet ist. Beispielsweise die Leica-Sammler hier haben ein richtiges Problem mit meiner Seite. Nichts hat immer den gleichen Wert; es kommt stets darauf an, was man damit tun will. Was für Dich gut ist, muss nicht gut für mich sein - und umgekehrt.

Praktisch mit jeder beliebigen Kamera, egal wie gut oder schlecht sie ist, kann man außergewöhliche Fotografien für Zeitschriftentitel erstellen, Fotowettbewerbe gewinnen oder in Kunstgalerien ausgestellt werden. Die Qualität eines Objektivs oder einer Kamera hat kaum etwas zu tun mit der Qualität der Bilder, die damit aufgenommen werden können.

Wahrscheinlich habt Ihr längst alles Equipment, das Ihr braucht; jetzt musst Ihr nur noch lernen, das Beste draus zu machen. Bessere Geräte sorgen nicht für bessere Fotos, weil Geräe keinen besseren Fotografen aus Dir machen können.

Fotos werden von Fotografen gemacht, nicht von Kameras.

Es ist traurig, wie wenige Leute das kapieren und all ihre Zeit damit verbringen, schlechte Ergebnisse aufs Equipment zu schieben, anstatt das Sehen und das Manipulieren und Verstehen von Licht zu erlernen.

Der Kauf neuer Kameras wird dieselben Ergebnisse bringen, die man immer schon hatte. Nicht neue Kameras, sondern Weiterbildung ist der Weg zu besseren Bildern.

Man sollte für nichts, was den eigenen Fotos fehlt, das Equipment verantwortlich machen. Wer das nicht glaubt, soll in ein gutes Foto-Museum gehen oder sich ein Buch über die Geschichte der Fotografie holen und sich die hervorragende technische Qualität anschauen, die die Leute schon vor 50 oder 100 Jahren erzielt haben. Der Vorteil moderner Ausrüstung liegt in der Bequemlichkeit, NICHT in der Bildqualität. Schaut Euch die SW-Bilder in meiner Death-Valley-Galerie an. Findet Ihr die scharf? Die wurden mit einer 50 Jahre alten Box-Kamera mit Fixfokus und fester Belichtungszeit gemacht, für die ich $3 gezahlt hatte. Diese Kamera ist primitiver als heutige Einweg-Kameras.

Ich habe schon technisch und künstlerisch wunderbare Aufnahmen mit einer $10-Kamera gemacht, die ich bei Goodwill gekauft habe, und ich habe schon eine Menge Mist mit einem $10.000-Objektiv an meiner motorisierten Nikon produziert.

Der große Edward Steichen fotografierte im Jahr 1921 Isadora Duncan auf der Acropolis in Athen. Er benutzte dazu eine Kodak, die er sich vom Chefkellner seines Hotels geborgt hatte. Die Bilder wurden natürlich hervorragend. Steichen hatte keine eigene Kamera dabei, weil er ursprünglich geplant hatte, nur mit Filmequipment zu arbeiten. Dieses Foto wurde 2000-2001 bei The Whitney ausgestellt.

Man muss lernen, zu sehen und zu komponieren. Je mehr Zeit man mit Gedanken ans Equipment vergeudet, umso weniger Zeit bleibt fürs Schaffen großartiger Bilder. Sorge Dich um Deine Bilder, nicht um Deine Ausrüstung!

Jeder weiß, dass die Marke der Schreibmaschine (oder die Fähigkeit, eine Schreibmaschine zu reparieren) nichts nicht mit der Gabe zu tun hat, einen mitreißenden Roman zu erzählen - obwohl eine bessere Schreibmaschine das Schreiben vielleicht etwas angenehmer macht. Also warum glauben so viele anderweitig vernünftige Menschen, die Art der Kamera oder das detaillierte Wissen über Verschlusszeiten, Objektivbau oder Kameratechnik habe etwas zu tun mit der Fähigkeit, ein interessantes Foto zu machen - und nicht etwa, zum Komfort des Fotografen beizutragen?

“…immer, wenn ich mit meiner Kamera irgendwo hingehe, egal ob mit meinem Spitzen-Gehäuse samt fünfzehn Objektiven und Systemblitz oder mit einer einfachen Knipser-Kamera, könnte mir die beste Aufnahme meines Lebens gelingen. Wenn ich allerdings anfangen würde zu glauben, der Erfolg meines Stils läge an der kornlosen technischen Perfektion einer umständlichen Großformat-Kamera oder an der aufregenden Kunst der wohldurchdachten Bildkomposition, dann würde ich viel von dem Zauber verlieren, der mich einst zum Fotografieren gebracht hat." Galen Rowell.

Genauso, wie man eine Schreibmaschine bedienen können muss, um ein Manuskript zu erstellen, muss man eine Kamera bedienen können, um Fotos zu machen - aber beides ist nur ein kleiner Teil des Vorgangs. Habt Ihr irgendeine Ahnung, welche Computermarke oder Software ich benutzt habe, um dies hier zu schreiben? Natürlich nicht, außer Ihr habt meine About-Seite gelesen. Für mich ist es von Bedeutung, aber nicht für Euch als Leser. Genauso wird niemand, der Eure Bilder anschaut, erkennen oder sich überhaupt dafür interessieren, welche Kamera benutzt wurde. Es spielt einfach keine Rolle.

Zu wissen, wie man etwas macht, bedeutet nicht, es auch tatsächlich machen zu können, oder gar, es gut machen zu können.

Wir alle wissen, wie man Klavier spielt: Man drückt die Tasten und tritt ab und zu auf die Pedale. Aber die Fähigkeit, zu spielen oder gar mit seinem Spiel die Zuhörer emotional zu berühren, ist ein völlig anderes Thema.

Glaubt bloß nicht, das teuerste Zeug sei das beste. Zu viel Foto-Equipment zu besitzen ist der sicherste Weg zu schlechten Fotos.

Die teureren Kameras und Objektive bringen für ihren saftigen Mehrpreis keinen nennswerten Mehrnutzen.

Wollt Ihr Testberichte toller Kameras sehen? Bei JunkStoreCameras.com gibt es Rezensionen von Experten zu lesen.

 

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Mr. & Mrs. Ken Rockwell, Ryan and Katie.

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